Bis 830 unterstand das Pfarrgebiet dem Erzbistum Salzburg, danach dem Passauer Bistum und ab 1785 der Diözese St. Pölten. Die Pfarre Ruprechtshofen ist wahrscheinlich als Eigenkirche vor 1160 entstanden und im Herrschaftsbereich der Peilsteiner und Zinzendorfer von dem riesigen Bereich der Mutterpfarre Melk abgetrennt worden.
Kirchenpatron ist der hl. Nikolaus von Myra, was auf eine frühe Gründung hinweist. Erst später hat man den hl. Rupert unter die in der Kirche verehrten Heiligen eingereiht. Über die Entstehung der uralten Kirche von Ruprechtshofen ist leider nichts Genaues bekannt. Laut mündlicher Überlieferung soll Bischof Rupert um 700 n. Chr. hier gelebt und missionarisch gewirkt haben. Möglicherweise ist aber damit der hl. Wolfgang gemeint, der nachweislich um 970 in Wieselburg und in anderen umliegenden Orten gewirkt hat. Auch gibt es in der Pfarrkirche von Ruprechtshofen ein Altarbild mit der Darstellung des hl. Wolfgangs sowie zwei Statuen des hl Nikolaus.
Herzog Albrecht II. übertrug die Kirche 1334 an das von ihm gegründete Kartäuserkloster Gaming. 1782 fiel die Pfarre an die landesfürstliche Güterverwaltung zurück.
Der Kern der heutigen Kirchenanlage entstammt der romanischen Bauepoche. Zum Bau der Kirche aber wurden Steine verwendet, an welchen mehrere römische Inschriften, Figuren und Blattwerk erkennbar waren, was auf eine Entstehungsgeschichte bis in die römische Epoche verweist. Der schlanke gotische Turm wurde 1653 erhöht und 1769 mit einem barocken Zwiebelhelm versehen. Neben der alten Wandlungsglocke („Wetterglocke) aus dem Jahre 1766 hängen drei Glocken mit den Tönen e, g und d, dazu das kleine Zügenglöcklein mit 45 kg. Von der gotischen Kirche blieben nach der barocken Erneuerung vier kleine Spitzbogenfenster, das Südportal und die Strebepfeiler übrig. Freskenreste aus dem Mittelalter sind an der östlichen und südlichen Außenmauer erhalten. 1903 wurden der holzgeschnitzte neugotische Hochaltar und die ebenfalls neugotische Kanzel von einem Südtiroler Altarbauer geschaffen. Die Kirche verfügt über zwei barocke Seitenaltäre. Zu den Sehenswürdigkeiten der Pfarrkirche gehören das achteckige Taufbecken aus rotem Marmor aus dem 15., ein großes Kruzifix aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts, die barocken Statuen des hl. Rupert und des hl. Leonhard sowie zwei barocke Gemälde, den hl. Andreas und den hl. Wolfgang darstellend. Die an den Langhauswänden und den Pfeilern angebrachten Kreuzwegfresken sind ein Werk des Wiener Malers Arthur Brusenbauch (1881-1957). Die barockklassizistische Orgel wurde im Jahre 2000 renoviert und erweitert. Auch wurden im gleichen Jahr der Kircheninnenraum renoviert und 2003 die Außenfassade erneuert.
(Nach Rudolf Schierer und Gerhard Flossmann,
sowie N. Zotti)
Schulrat Adi Gertraud Trimmel
Mai 2024
Als wahren Schatz kann man die hervorragend erhaltenen Kreuzweg-Fresken bezeichnen, die in katholischen Kirchen Österreichs über die Jahrhunderte nur sehr selten ausgeführt wurden. Der Wiener Maler Arthur Brusenbauch schuf sie 1937 und entwarf ebenso die Glasfenster. Ein Nachkomme des Malers recherchierte die Entstehungsgeschichte und verfasste ein Verzeichnis über die sakralen Werke in unserer Kirche im Jahre 2020.